Finanzplan – Wie Sie einen Finanzplan erstellen

Der Finanzplan ist eine “Übersetzung” des Businessplan-Textteils in Zahlen. Die im Textteil definierten Vorgaben (Planungsprämissen), die zum Beispiel aus der Untersuchung von Markt und Wettbewerb abgeleitet wurden, werden nun im Finanzplan in Zahlen umgewandelt.

Der Finanzplan besteht aus Teilplanungen, die sich zu einer integrierten Finanzplanung zusammen setzen. Das bedeutet, dass sich Änderungen, in einer Teilplanung auch auf die Ergebnisse der anderen Teilplanung und letztendlich auf den gesamten Finanzplan auswirken.

Finanzplan Schritt 1: Umsätze planen – Zahlungsziele festlegen

Die Umsätze sind aus der Markt-, Branchen- und Wettbewerbsanalyse abzuleiten. Wenn es einen Branchendurchschnitts-umsatz gibt, sollte es für das zu gründende Unternehmen ebenfalls möglich sein in einer angemessenen Zeit diesen Branchendurchschnitt zu erreichen. Wenn die Umsätze über dem Durchschnitt liegen sollen, sind triftige und nachvollziehbare Planungsprämissen zu erläutern und zu dokumentieren. So kann zum Beispiel ein neues Verfahren zu schnelleren Produktions- und Absatzzyklen führen. Die Umsatzprognosen sind bestenfalls durch die Benennung externer Quellen zu belegen.

Ebenso muss man sich bei der Planung der Umsätze um die zu berücksichtigenden Zahlungsziele Gedanken machen. Die festgelegten Zahlungsziele wirken sich auf die Einnahmen in der Liquiditätsplanung aus. Sie sollten bereits hier Sicherheitsreserven zu Ihren festgelegten Zahlungszielen einplanen, um einen entsprechenden Risikopuffer in Ihrer Liquiditätsplanung zu haben.

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Finanzplan Schritt 2: Materialkosten bzw. Herstellkosten planen

Die Materialkosten oder Herstellkosten sind der nächste Schritt im Finanzplan. Je nach Planungsmethode umfassen die Herstellkosten neben dem Materialkosten auch Personalkosten und Fremdleistungen. Materialkosten umfassen nur Rohstoffe, Hilfstoffe und Betriebsstoffe.

Ziel sollte es je nach Planungsmethode sein, in den Materialkosten oder Herstellkosten die Kosten zu erfassen, die direkt mit der Umsatzerzielung in Zusammenhang stehen. Das bedeutet, dass es ohne die Aufwendung dieser Kosten auch keine Umsätze geben würde.

Finanzplan Schritt 3: Personalkosten planen

Die im Businessplan beschriebenen Mitarbeiter führen in der Personalplanung im Finanzplan zu entsprechenden Kosten. Wie sind Ihre Mitarbeiter strukturiert? Wie viele Führungskräfte gibt es? Wie viele Lohn- und Gehaltsempfänger? Was ist der Durchschnittsverdienst je nach Hierarchiestufe? Je nach Rechtsform wird in den Personalkosten auch das Geschäftsführergehalt geplant.

Natürlich gehören auch die Personalnebenkosten, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie variable Gehaltsbestandteile in die Personalkostenplanung des Finanzplans.

Finanzplan Schritt 4: Gemeinkosten planen

Mit Gemeinkosten sind alle Kosten gemeint, die noch nicht in der Materialkosten / Herstellkostenplanung und in der Personalkostenplanung berücksichtigt wurden. Je nach Geschäftsmodell können sich die Gemeinkosten unterscheiden. So benötigt ein stationärer Friseurladen zwingend Räumlichkeiten, mit denen dann auch Nebenkosten verbunden sind, ein Online-Shop-Betreiber braucht aber kein Ladenlokal, sondern kann den Online-Shop zum Beispiel von zu Hause und über einen Fulfillment-Anbieter betreiben.

Typische Gemeinkosten sind:

  • Raumkosten (Miete, Pacht, Leasing),
  • Raumnebenkosten wie Strom, Gas, Heizung, Wasser und Abwasser, Reinigung,
  • Kosten für Marketing,
  • Reisekosten,
  • Kosten für Aus- und Weiterbildung,
  • Versicherungen,
  • Beiträge zu IHK/HWK, Wirtschafts- und Branchenverbänden,
  • Abschreibungen (resultieren aus der Investitionsplanung)
  • Bürobedarf,
  • Porto, Telefon und Internetgebühren (auch Webhosting etc.),
  • Rechts- und Beratungskosten (Anwalt, Steuerberater, Unternehmensberater, Werbeagentur etc.)
  • Sonstige Kosten

Finanzplan Schritt 5: Investition planen – Abschreibungen berechnen

Die Investitionsplanung listet nach der Logik eines Anlageverzeichnisses auf, welche Gegenstände bereits bei Gründung in das Unternehmen eingebracht werden sollen und welche im Zuge der Gründung angeschafft werden sollen. Man unterscheidet grob in:

  • immaterielle Vermögensgegenstände wie Software-Lizenzen, Patente, Nutzungsrechte Dritter,
  • Sachanlagen wie Grundstücke, Gebäude, Technische Anlagen, Maschinen, Büroausstattung,
  • und Beteiligungen an anderen Unternehmen.

Jedes Anlagegut hat eine gesetzlich vorgeschriebene Nutzungsdauer, d.h. es wird die Abnutzung über eine bestimmte Laufzeit unterstellt. Die Abnutzung wird in Form der Abschreibungen ausgedrückt und sind in der Gemeinkostenplanung als kalkulatorische Kosten berücksichtigt.

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Finanzplan Schritt 6: Teilplanungen in Rentabilitätsvorschau integrieren

In der Rentabilitätsplanung werden mehrere Teilplanungen zu einer Gewinn- und Verlustvorschau integriert. Die Umsatzplanung spiegelt die zu erwartenden Umsätze wider. Die Materialkosten- oder Herstellkosten-Planung die mit der Umsatzerzielung verbundenen, direkten Kosten. Dann kann man daraus den Rohertrag (Deckungsbeitrag I) ableiten.

Dann werden die Planungen zu Personalkosten und die Gemeinkosten integriert. Auch die privaten Ausgaben sollten vorher kalkuliert sein, da diese entweder das Gehalt des Geschäftsführers oder die Privatentnahme des Firmeninhabers bestimmen.

Zuletzt sind die Zinskosten aus der Kapitalbedarfsplanung zu ermitteln und ebenfalls in der Rentabilitätsvorschau abzubilden.

Zusammenfassend sieht man in der Rentabilitätsvorschau, wie erfolgreich das zu gründende Unternehmen sein wird und wie hoch die Anlaufverluste sind, die dann durch Eigenkapital oder Fremdkapital finanziert werden müssen.

Finanzplan Schritt 7: Aus Teilplanungen und Rentabilitätsvorschau die Liquiditätsplanung ableiten

Aus der Umsatzplanung und den darin festgelegten kalkulatorischen Zahlungszielen der Kunden leiten sich die Einnahmen der Liquiditätsplanung ab. Aus den Kostenplanungen und den entsprechend festgelegten Zahlungszielen für Material und Fremdleistungen leiten sich die Ausgaben ab.

Wichtig ist in der Liquiditätsplanung auch zu beachten, dass die Investitionen zwar in der Gemeinkostenplanung nur mit den Abschreibungen berücksichtigt sind, aber bei Anschaffung natürlich sofort zu 100% liquiditätswirksam werden.

Aus der Liquiditätsplanung ergibt sich in der Regel eine Unterdeckung der finanziellen Mittel (Liquiditätslücke), die dann durch die Einbringung von Eigenkapital oder durch die Aufnahme von Fremdkapital beseitigt werden muss.

Finanzplan Schritt 8: Aus der Liquiditätsplanung die Kapitalbedarfsplanung ableiten

Typischerweise ergibt sich aus der Liquiditätsplanung eine Finanzierungslücke. In der Kapitalbedarfsplanung geht es nun darum, wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden kann.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Eigenkapital, also Mitteln die der Existenzgründer selbst ins Unternehmen einbringt und Fremdkapital, also Darlehen, die der Existenzgründer oder die Firma aufnimmt, um die Lücke zu schließen.

Die Möglichkeiten in der Finanzierung sind aber vielfältiger und oft lohnt es sich hier ein komplexeres Finanzierungskonzept zu erstellen, um Sicherheiten aufzubauen, die persönliche Haftung des Existenzgründers zu reduzieren oder die Gesamtkosten der Finanzierung so gering wie möglich zu halten.

Finanzplan Schritt 9: Aus Teilplanungen Bilanzplanung ableiten

Bei anlageintensiven Gründungen ist es manchmal nötig, auch eine Bilanzplanung zu entwickeln.

Weitere Informationen zum Finanzplan

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