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Decacorn: Startup mit einer Bewertung über 10 Milliarden US-Dollar.
Finanzen

Decacorn: Bewertung über 10 Milliarden Dollar

Startup mit einer Bewertung über 10 Milliarden US-Dollar.

Als Decacorn wird ein (meist noch nicht börsennotiertes) Startup bezeichnet, dessen Unternehmensbewertung 10 Milliarden US-Dollar übersteigt. Der Begriff leitet sich vom "Unicorn" (Bewertung über 1 Milliarde US-Dollar) ab: "deca" steht für den Faktor zehn.

Die Bewertung eines Decacorns basiert in der Regel auf der letzten Finanzierungsrunde und dem dabei ausgehandelten Preis pro Anteil, nicht auf einem geprüften Unternehmenswert wie bei einem Börsengang, sie kann sich entsprechend stark und schnell verändern.

Diese Art der Bewertung wird oft als "Papierwert" bezeichnet: Sie zeigt, was Investoren in der jeweiligen Finanzierungsrunde bereit waren zu zahlen, nicht zwingend, was das Unternehmen bei einem tatsächlichen Verkauf oder Börsengang später real erzielen würde. Zwischen beiden Werten kann eine erhebliche Lücke liegen, besonders wenn sich das Marktumfeld für Wachstumsfinanzierungen zwischenzeitlich verschlechtert.

Einordnung und Bedeutung für Gründer

Die Begriffshierarchie wird nach oben gelegentlich noch weitergeführt (etwa "Hectocorn" für eine Bewertung über 100 Milliarden US-Dollar), auch wenn diese Stufen in der alltäglichen Gründungsberatung praktisch keine Rolle spielen. Relevanter ist, dass solche Meilensteine fast ausschließlich Unternehmen betreffen, die bereits mehrere große, oft internationale Finanzierungsrunden durchlaufen haben.

Für Gründer:innen in der Frühphase ist der Begriff vor allem als Einordnungshilfe nützlich, um Nachrichten über Finanzierungsrunden richtig einzuschätzen, nicht als realistisches Etappenziel der eigenen Planung. Die weit überwiegende Mehrheit gegründeter Unternehmen, auch erfolgreicher, erreicht diese Größenordnung nie, was die eigentliche wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells nicht schmälert.

Wer den Begriff in der eigenen Businessplanung erwähnt, sollte ihn eher zurückhaltend einsetzen: Ein früher Verweis auf eine angestrebte Milliardenbewertung wirkt bei den meisten Investoren und Banken weniger überzeugend als eine nachvollziehbare, schrittweise Wachstumsplanung mit realistischen Zwischenzielen. Solide Kennzahlen zur eigenen Marge und Liquidität überzeugen in der Praxis deutlich mehr als eine große Zahl, die noch keine tragfähige Grundlage hat.

Für die deutsche und europäische Gründungsszene sind Decacorns bislang deutlich seltener als in den USA oder China, was oft mit Unterschieden im verfügbaren Wachstumskapital, der Marktgröße und der Risikobereitschaft institutioneller Investoren erklärt wird. Diese Beobachtung hat für die eigene Gründungsplanung praktisch keine unmittelbare Konsequenz, hilft aber, Nachrichten über internationale Bewertungsrekorde realistisch einzuordnen, statt sie als übertragbaren Maßstab für die eigene, oft ganz anders gelagerte Geschäftsidee zu betrachten.

Auch der Weg zu einem Decacorn-Status verläuft in der Praxis selten geradlinig: Viele der bekannten Beispiele durchliefen zuvor Phasen mit deutlich niedrigerer Bewertung, teils auch temporäre Rückschläge oder eine Down-Round, bevor eine spätere Finanzierungsrunde die Bewertung sprunghaft erhöhte. Wer aus einzelnen Erfolgsgeschichten eine geradlinige, vorhersehbare Wachstumskurve ableitet, unterschätzt meist, wie viele vergleichbare Unternehmen auf demselben Weg deutlich früher scheitern oder auf einem soliden, aber wesentlich kleineren Niveau verharren.

Relevanter für die überwiegende Mehrheit der Gründungen ist deshalb nicht die Frage, ob ein Decacorn-Status erreichbar ist, sondern welche der zugrunde liegenden Prinzipien übertragbar sind: eine klare Skalierungslogik, ein Geschäftsmodell mit wiederholbarem Wachstum und eine belastbare Kapitalstruktur. Diese Grundprinzipien lassen sich auch auf deutlich kleinerem Niveau sinnvoll anwenden, ohne dass eine Milliardenbewertung jemals das eigentliche Ziel sein muss.

Für die eigene Einordnung lohnt sich außerdem ein nüchterner Blick auf die Kehrseite solcher Bewertungssprünge: Mit einer sehr hohen Bewertung steigen in der Regel auch die Erwartungen der Investoren an künftiges Wachstum erheblich, was den Druck auf das Unternehmen deutlich erhöht. Wird dieses Wachstum nicht erreicht, drohen Down-Rounds oder ein spürbarer Vertrauensverlust bei künftigen Finanzierungsrunden, ein Risiko, das bei der öffentlichen Berichterstattung über Rekordbewertungen selten mit derselben Aufmerksamkeit behandelt wird wie die Bewertung selbst.

Für die mediale Berichterstattung gilt zudem grundsätzliche Vorsicht: Bewertungssprünge werden oft isoliert und ohne Kontext zu vorherigen Runden oder zur tatsächlichen Umsatzentwicklung des Unternehmens dargestellt. Wer solche Meldungen einordnen möchte, sollte nach der zugrunde liegenden Finanzierungsrunde, den beteiligten Investoren und, sofern verfügbar, nach Umsatzangaben suchen, statt die genannte Bewertungszahl unreflektiert als alleinigen Erfolgsmaßstab zu übernehmen.

Auch das zeitliche Tempo, mit dem ein Unternehmen vom Unicorn- zum Decacorn-Status wächst, wird in Fachkreisen häufig stärker beachtet als die absolute Bewertung selbst, da ein besonders schnelles Wachstum oft als Signal für ein außergewöhnlich skalierbares Geschäftsmodell gilt.

Häufige Fragen zu Decacorn

6 Fragen

Ist eine hohe Decacorn-Bewertung gleichbedeutend mit hohem Gewinn?

Nein. Die Bewertung basiert auf dem erwarteten künftigen Potenzial und der Zahlungsbereitschaft von Investoren, nicht auf dem aktuellen Gewinn. Viele Unternehmen mit sehr hoher Bewertung schreiben zum Zeitpunkt der Bewertung noch keine schwarzen Zahlen.

Kann die Bewertung eines Decacorns wieder sinken?

Ja, das kommt regelmäßig vor, insbesondere bei einer sogenannten Down-Round, in der eine neue Finanzierungsrunde zu einer niedrigeren Bewertung als die vorherige abgeschlossen wird. Das signalisiert meist ein verändertes Marktumfeld oder gesunkene Wachstumserwartungen.

Wie unterscheidet sich ein Decacorn von einem börsennotierten Großkonzern?

Ein Decacorn ist per Definition (noch) nicht an der Börse notiert, seine Bewertung entsteht privat zwischen dem Unternehmen und seinen Investoren. Ein börsennotierter Konzern wird dagegen fortlaufend über den öffentlichen Aktienmarkt bewertet, was in der Regel zu einer transparenteren, aber auch volatileren Bewertung führt.

Warum ist der Begriff für die meisten Gründer eher irrelevant?

Weil er eine extreme Ausnahmeerscheinung beschreibt, die kaum Rückschlüsse auf die Planung eines typischen Startups zulässt. Für die allermeisten Gründungen sind Kennzahlen wie Rohertrag, Liquidität und ein tragfähiges Geschäftsmodell deutlich relevanter als die theoretische Frage einer Milliardenbewertung.

Sagt die Anzahl der Decacorns eines Landes etwas über dessen Startup-Szene aus?

Sie wird häufig als grober Indikator für ein reifes Wagniskapital-Ökosystem herangezogen, sagt aber wenig über die Breite oder Gesundheit der gesamten Gründerlandschaft aus, da sie sich auf sehr wenige Einzelfälle konzentriert. Eine vielfältige Zahl solider, mittelgroßer Unternehmen ist für eine Volkswirtschaft oft bedeutsamer.

Wie verlässlich sind Medienberichte über Decacorn-Bewertungen?

Sie geben meist den offiziell kommunizierten Wert der letzten Finanzierungsrunde wieder, der aber selten unabhängig geprüft wird und oft im Interesse des Unternehmens und seiner Investoren möglichst hoch ausfällt. Für eine realistische Einschätzung lohnt sich ein Blick auf mehrere Quellen statt auf eine einzelne, oft PR-getriebene Zahl.

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