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Sales Funnel: Weg von Aufmerksamkeit zum Kauf
Der stufenweise Weg von der ersten Aufmerksamkeit bis zum zahlenden Kunden.
Der Sales Funnel (Verkaufstrichter) bildet den stufenweisen Weg ab, den potenzielle Kunden von der ersten Aufmerksamkeit bis zum tatsächlichen Kauf durchlaufen: üblicherweise grob unterteilt in Awareness (Aufmerksamkeit), Interesse, Entscheidung und Kauf.
Der Trichter wird an jeder Stufe kleiner: Nicht jeder, der von einem Angebot erfährt, interessiert sich dafür, und nicht jeder Interessent kauft am Ende. Diese Verluste an jeder Stufe zu kennen, ist zentral für eine realistische Akquise-Planung, weil sich daraus ableiten lässt, wie viele Menschen ganz oben in den Trichter gelangen müssen, um am Ende genug zahlende Kunden zu gewinnen.
Im Businessplan hilft der Sales Funnel, die Absatzmenge nicht aus der Luft zu greifen, sondern aus einer nachvollziehbaren Kette von Übergangsraten pro Stufe herzuleiten: Wie viele Menschen werden auf das Angebot aufmerksam, wie viele davon zeigen echtes Interesse, wie viele entscheiden sich, wie viele kaufen tatsächlich.
Schwachstellen im Trichter erkennen
Wo genau die größten Verluste im Trichter auftreten, unterscheidet sich stark je nach Geschäftsmodell: Bei manchen Angeboten ist es schwierig, überhaupt erste Aufmerksamkeit zu erzeugen, bei anderen gibt es viel Interesse, aber wenige tatsächliche Abschlüsse. Die Stufe mit dem größten Verlust zu identifizieren, zeigt meist auch, wo sich Optimierungsaufwand am meisten lohnt.
Ein häufiger Fehler ist, Aufwand in die falsche Stufe zu stecken, etwa mehr Werbung zu schalten, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, obwohl das eigentliche Problem woanders liegt, etwa bei einem zu komplizierten Bestellprozess, der Interessenten kurz vor dem Kauf abspringen lässt.
Trichterform und Planung im Businessplan
Die Form des Trichters unterscheidet sich deutlich zwischen Geschäftsmodellen: Im B2B-Geschäft mit wenigen, aber hochpreisigen Kunden ist der Funnel oft lang und schmal, mit mehreren persönlichen Gesprächen zwischen den Stufen. Im B2C-Geschäft mit vielen, günstigeren Käufen ist er meist kürzer und stärker automatisiert.
Für die Businessplanung lohnt es sich, die Übergangsraten zwischen den Stufen so realistisch wie möglich zu schätzen, auch ohne eigene historische Daten: Branchenübliche Vergleichswerte oder Erfahrungen aus vergleichbaren Geschäftsmodellen liefern eine erste Orientierung, die im laufenden Betrieb dann durch echte Zahlen ersetzt und regelmäßig nachjustiert werden sollte.
Der Sales Funnel lässt sich auch rückwärts denken, ausgehend vom gewünschten Ziel: Wie viele zahlende Kund:innen werden für ein bestimmtes Umsatzziel benötigt, und wie viele Interessent:innen müssen dafür auf den vorherigen Stufen jeweils erreicht werden. Dieses rückwärts gerichtete Denken macht häufig deutlich sichtbar, wie ambitioniert bestimmte Wachstumsannahmen tatsächlich sind, besonders wenn die zugrunde gelegten Übergangsraten optimistisch gewählt wurden.
Neben der reinen Konversionsrate zwischen den Stufen lohnt sich ein Blick auf die Zeitdauer, die potenzielle Kund:innen in jeder Stufe verbringen: Ein Funnel mit guter Konversion, aber sehr langer Verweildauer in der Entscheidungsphase, bindet trotzdem viel Kapital und Aufwand, bevor überhaupt Umsatz entsteht. Für die Liquiditätsplanung ist deshalb nicht nur die Erfolgsquote, sondern auch die Geschwindigkeit des Funnels relevant.
Digitale Geschäftsmodelle erlauben es, den Sales Funnel deutlich granularer zu messen als klassische, analoge Vertriebswege: Über Analyse-Tools lässt sich häufig exakt nachvollziehen, an welcher konkreten Stelle einer Website oder App die meisten Interessent:innen abspringen. Diese Detailtiefe fehlt bei persönlichem Verkauf oft, wo Rückschlüsse eher aus Erfahrung und stichprobenartigem Feedback statt aus vollständigen Daten gezogen werden.
Ein reifer Sales Funnel wird selten isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel mit der Kundenbindung nach dem eigentlichen Kauf: Ein Trichter, der zwar viele Erstkäufe erzeugt, aber keine wiederkehrenden Käufe oder Weiterempfehlungen nach sich zieht, erfordert dauerhaft hohen Akquiseaufwand, um überhaupt zu wachsen. Deshalb ergänzen viele Unternehmen den klassischen Sales Funnel um eine zusätzliche Stufe nach dem Kauf, etwa Zufriedenheit oder Weiterempfehlung, um das vollständige Bild zu erfassen.
Für den Businessplan reicht anfangs ein vereinfachtes, grob geschätztes Funnel-Modell aus: Erst mit den ersten echten Kontakten und Verkäufen lässt sich beurteilen, ob die angenommenen Übergangsraten realistisch waren. Diese frühen, noch unsicheren Annahmen offen als vorläufige Schätzung zu kennzeichnen, ist glaubwürdiger, als sie ohne Beleg als feststehende Fakten darzustellen.
Der Sales Funnel eignet sich außerdem gut, um verschiedene Akquisekanäle direkt miteinander zu vergleichen: Zwei Kanäle mit ähnlicher Zahl an Erstkontakten können sich in der tatsächlichen Konversion zum zahlenden Kunden deutlich unterscheiden. Wer Kanäle nur an der Reichweite oben im Trichter misst, ohne die spätere Konversion zu berücksichtigen, überschätzt regelmäßig die tatsächliche Wirksamkeit einzelner Akquisemaßnahmen.